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Negativ, sarkastisch, hoffnungsvoll. Geschichten von mir, meinen Reisen und meinem Weg in die Selbstständigkeit

Chiang Mai – Eine Liebesgeschichte

Als ich Thailand vor 8 Jahren das erste Mal in meinem Leben betreten habe, bin ich in Chiang Mai gelandet. Chiang Mai war somit das Erste was ich von Thailand gesehen, erlebt und wahrgenommen habe. Und es hat mir eigentlich damals auch schon recht gut gefallen. Letztes Jahr war ich zum zweiten Mal für ein paar Wochen in Chiang Mai. Habe südlich von hier die Vipassana gemacht und zwei Wochen an der Neuausrichtung von fit4consulting gearbeitet. Und damals habe ich mir selbst geschworen wieder zu kommen und dann länger zu bleiben. Also für eine Weile in Chiang Mai zu leben um die Stadt richtig kennen zu lernen und den Vibe aufzunehmen. Und das hat in der Tat sehr wenig damit zu tun, dass Chiang Mai auch gleichzeitig ein Hotspot für die sogenannten „digitalen Nomaden“ ist. Wer mich kennt, der weiß das ich Thailand einfach liebe. Nomaden und Community hin oder her.

Seit dem 1. Januar bin ich nun zum dritten Mal in Chiang Mai und was soll ich sagen? Es ist tatsächlich Liebe! 🙂 Vom ersten Tag an ging es mir hier einfach gut. Und es gab bisher keinen Tag in den gut 8 Wochen, an dem es mir (mental) schlecht gegangen wäre. Und das obwohl mich Chiang Mai schon das ein oder andere Mal ziemlich auf die Probe gestellt hat (dazu mehr weiter unten). Aber ich bin einfach glücklich, zufrieden und ausgeglichen und ich bin genau da, wo ich sein will. Ich will hier eigentlich auch gar nicht weg…auch wenn es am Sonntag für mich erstmal für 2 Wochen nach Myanmar und anschließend für 4 Wochen zurück nach Koh Lanta geht (Burning season muss halt dann doch nicht sein). Aber spätestens zu Songkran Anfang April bin ich wieder zurück! Soweit zumindest mal der Plan 😉

Ich versuche gerade mal in Worte zu fassen, warum Chiang Mai für mich ein so perfekter Ort ist. Aber es ist wie immer ziemlich schwer ein Gefühl oder eine Stimmung einer Stadt zu beschreiben. Fangen wir am besten einfach mal mit ein paar Daten & Fakten an.

Daten und Fakten

Chiang Mai ist die sechstgrößte Stadt Thailands und die größte Stadt Nordthailands. Sie liegt ergo also im Norden, in den Bergen, und der nächste Strand ist hunderte von Kilometern weg. Es hat also wenig mit dem typischen Traum vom tropischen Strand und türkisem Meer zu tun. Chiang Mai hat ca. 130.000 Einwohner und ist damit weniger als halb so groß wie mein geliebtes Mannheim. Das Klima ist weit weniger tropisch als im Süden und gerade in der Zeit von Oktober bis Februar ist das Klima sehr gemäßigt und fühlt sich eher so wie ein deutscher Sommer an. Bloß ohne Regen halt 😉 Tagsüber 28 bis 30 Grad, Nachts braucht man ggf. ein Strickjäckchen oder so.

Alles was das Herz begehrt

Chiang Mai hat eigentlich alles was man braucht. Es hat die ganzen Annehmlichkeiten einer Großstadt und fühlt sich trotzdem an wie eine Kleinstadt. Es gibt eisgekühlte, megamoderne Einkaufszentren in denen man auch H&M, Mango oder sonstige westliche Marken findet, es gibt wunderschöne prachtvolle buddhistische Tempel an allen Ecken und Enden. Berge und Natur sind gleich um die Ecke und das allerbeste für einen Foodie wie mich: es gibt so ungefähr wirklich alles an Essen was man sich vorstellen kann, zu meistens sehr guter Qualität und bezahlbaren Preisen. Food-heaven! 🙂 Es gibt unzählige Fitness- und Yoga Studios, eine sehr gute Crossfit Box und unzählige kulturelle und spirituelle Veranstaltungen jeglicher Couleur. Angefangen vom Lach-Yoga über den Handwerksmarkt und die Tattoo-Convention bis hin zum Filmfestival. Die Vielfalt und das Angebot an echt guten Cafes, die sich auch hervorragend zum arbeiten eignen, und verschiedenen Arten von Coworking-Spaces ist fast unüberschaubar. Es gibt alles was das Hipster-Herz begehrt im trendigen Nimann (vegan raw super healthy chia seeds food und Zeug), alles was das Touristen-Herz höher schlagen lässt in der Altstadt (d.h. typische alte Shophouses, ein Tempel neben dem nächsten) und authentische, nur von Einheimischen bewohnte Gegenden in denen man eine große Portion Pad Thai für 30 Baht (ca. 80 Cent) bekommt. Ich selbst wohne in Santitham, ein Viertel was sowohl an die Altstadt und Nimman grenzt, aber trotzdem noch relativ einheimisch ist.

Der ganz normale Alltag

Der Alltag hier ist an und für sich nicht viel anders wie andere Alltage überall auf der Welt auch: man arbeitet, man geht zum Sport, man isst, man geht aus und trifft Freunde. Ich arbeite im Moment weniger wie sonst, aber dafür hin und wieder zu deutschen Arbeitszeiten, d.h. ich habe ab und an auch mal Telefonate und Termine abends um halb 11 oder so. Das ich zur Zeit etwas weniger arbeite ist auch Absicht. Denn einer der Gründe warum ich nach Chiang Mai gekommen bin ist der, dass ich mit etwas Abstand alles mal überdenken möchte und für mich entscheiden, wie ich mit was beruflich weiter mache. Und das funktioniert bisher sehr gut 🙂

Ich gehe dreimal die Woche abends zum Crossfit, einmal in der Woche morgens zum Yoga. Dann arbeite ich entweder zu Hause von meinem Apartment aus oder ich treffe mich mit Freunden irgendwo in einem Cafe zum coworken oder ich geh auch mal alleine ins CAMP (eine Art Coworking Space) zum arbeiten. Je nachdem wo wir sind, gehen wir dann Mittagessen. Entweder günstig Thai (am liebsten Khao Soi in der besten Khao Soi Bude am Ort) oder günstig zum Burmesen oder eher westlich, was in den meisten Fällen dann auf “Salad Concept” hinaus läuft, wo es tatsächlich sehr geil leckere Salate und Wraps gibt. Naja, und da so viele Menschen in Chiang Mai sind, die ich kenne (oder inzwischen kennen gelernt habe), gehe ich meistens auch abends aus zum Essen mit Freunden und ein paar Drinks genießen. Ihr wisst ja, dass ich als extrovertierter Menschen davon viel Energie ziehe, vom Socialising mit anderen 😉 Ab und an geht’s auch mal zum Bowling, ins Kino oder zum Barbecue bei Freunden und Bekannten. Und auch das ist in Chiang Mai einfach großartig: von der schicken Dachterrassen-Bar über die urige Expat-Bar (hier ist sozusagen der place to be das Small House Kafe) um die Ecke bis hin zur komplett einheimischen Bar mit schäbigen Plastikstühlen und billigem Bier ist alles möglich und vorhanden. Für jede Stimmung etwas 🙂

Ausflüge und Wochenende

Die Wochenenden sind dann, sehr typisch, dem Chillen, ausnüchtern oder Ausflügen gewidmet. Das Chillen findet meistens am Pool statt (bisher entweder im Lotus oder im Green Hill) und beinhaltet öfters auch mal eine Thai-Massage oder eine ausgiebige Pediküre. Leider war ich bisher relativ faul, was die Ausflüge angeht. Ich war einmal mit Freunden am Huay Tung Tao See, einmal am Grand Canyon (ziemlich überbewertet wenn man mich fragt) und einen Tag haben wir uns mal mit dem Roller an den Samoeng Loop gewagt, das ist eine 100 Kilometer lange Rundfahrt mit Start- und Zielpunkt in Chiang Mai und einigen Sehenswürdigkeiten (unter anderem der echt schöne Mae Sa Wasserfall) entlang der Strecke.

Samoeng Loop

Menschen und die Community

Aber das beste ist und bleibt ehrlicherweise glaube doch die Community hier in Chiang Mai. Nicht nur unbedingt die Nomaden-Community, sondern eher die Expat-Community im Gesamten, aber auch insbesondere in Kombination mit Einheimischen. Ich liebe einfach dieses multikulturelle Umfeld, in dem man täglich in Berührung mit Menschen von allen möglichen Nationen kommt. Und es zeigt mir immer wieder, dass wir alle Menschen sind, alle gleich sind und Hass in dieser Welt einfach mal so gar nichts verloren hat! Punkt. Aus. Ende. In meiner Crossfit Gruppe z.B. sind gebürtige Chiang Mai’er, Amis, Australier, unterschiedlichste Europäer, Marokkaner, Ägypter, Nepalesen, Hong Kong’er usw. So bunt gemischt und alle sind gut drauf und wollen einfach nur zusammen Sport machen.

Und damit nicht genug, es geht weiter bei all den anderen Veranstaltungen, die ich in den letzten Wochen besucht habe. Sei es der Mittwochs Women’s Lunch, bei dem sich nicht nur Frauen unter 30 einfinden, sondern auch ältere Frauen oder Rentnerinnen. Oder der Storytelling-Workshop bei dem die Inderin neben der Griechin und die wiederum neben dem Türken saß. Oder die Women’s Entrepreneurship Night im Punspace, bei welchem neben schwarzen Powerfrauen, hellhäutigen Online-Händlerinnen aus China oder Bloggerinnen aus Kanada auch drei, vier Thai-Frauen zu Wort kamen, die ihre selbstgemachten Taschen jetzt online verkaufen wollen. Ich liebe diese Internationalität und den Zusammenhalt untereinander. Und ich habe auch ganz neue Formate ausprobiert, sowie den Women’s Sharing Circle, eine Veranstaltung die mich echt begeistert hat. Und dann gibt’s da ja auch noch die Punspace Beer Night, verschiedene Launch Partys oder Freitag-Nachmittags Talks und Skill-Shares. Es kann einem also gar nicht langweilig werden und man kann die spannendsten Menschen mit den unterschiedlichsten Biografien kennen lernen. Ich z.B. habe mich mit einer Inderin über die sexuelle Selbstbestimmung der Frau unterhalten, war mit einer 55-jährigen Amerikanerin Sangria trinken oder hab mir von einem Österreicher erzählen lassen wie man übers Darknet mit Bitcoins MDMA kauft. Ich war unter anderem auf einer privaten Hausparty im Jungle, auf dem Jai Thep Festival (was einerseits schon sehr hippie und andererseits auch ne abgefahrene Techno-Party war) und auf einer privaten Rooftop Party, auf der sich so ungefähr die komplette Nomaden-Szene Chiang Mais zusammen mit den Teilnehmern der CUAsia Konferenz versammelt hatte. Ich habe tatsächlich in den letzten 8 Wochen sehr viel erlebt und sehr viele Menschen kennen gelernt. Und es geht mir einfach sehr gut damit und ich bin glücklich mit meinem Leben so wie es im Moment ist.

So schnell wirst du mich nicht los!

Aber wo viel Licht ist, da ist auch (ein wenig) Schatten. Chiang Mai hat mich, wie oben bereits angedeutet, auch zweimal auf die Probe gestellt:

1. Sexuelle Belästigung

Vor ein paar Wochen bin ich abends um halb 11 nach Hause gelaufen. Vom Small House zu mir sind es vielleicht 10 Minuten zu Fuß. Ich laufe auf der linken Strassenseite, auf einmal kommt von hinten ein Typ (Thai oder Burmese) auf dem Roller an, wird auf meiner Höhe langsam, grapscht mir an den Bauch, gibt Gas und düst davon. Ich rufe noch laut “Hey” und bin natürlich ziemlich erschrocken und habe Herzklopfen. Zur Sicherheit wechsle ich die Strassenseite, da dann der Verkehr von vorne kommt. Kurz vor meinem Haus wechsle ich zurück auf die linke Seite, da sich da mein Haus befindet. Auf einmal das gleiche Szenario nochmal, bloß anderer Typ (zumindest hatte das T-Shirt eine andere Farbe) und dieses Mal grapscht er mir voll an den Arsch. Ich bin so erschrocken, dass ich dieses Mal nicht mal mehr was rufen konnte. Hab mich dann schnell in mein Zimmer geflüchtet und musste das erst Mal verdauen. Letztlich ist ja nicht wirklich dramatisches passiert, aber trotzdem war es eindeutig ein sexueller Übergriff und eine Verletzung meiner Privatsphäre und kein missglückter Raubüberfall. Aber was viel schlimmer war, war die Tatsache das ich sowas in Thailand nicht erwartet hätte. Klar kann sowas überall passieren, aber gerade in Asien und Thailand habe ich mich als Frau immer sehr sicher gefühlt und solche Vorkommnisse entsprechen auch sowas von gar nicht der Thai-Kultur. Aber gut, passiert ist es trotzdem. Unangenehm und im ersten Moment leicht verstörend, aber wirklich aus der Bahn geschmissen hat es mich nicht.

2. Taschendiebstahl

Letztes Wochenende war ich mit Freunden feiern. Wir waren in der Altstadt im “Zoe’s in Yellow”. Ich hatte meine mit einem Reißverschluss verschlossene Handtasche umhängen als wir auf die Tanzfläche gegangen sind. Nach maximal 10 Minuten wollte ich in Richtung Bar die nächste Runde holen. Ich fasse an meine Handtasche und denke nur “Hä? Warum ist die denn offen?”, lange in die Tasche rein und stelle fest, dass mein Geldbeutel fehlt :-/ Supernervig. Und nein, ich habe es wirklich nicht gemerkt. Und ich war an dem Abend auch nicht die einzige, die auf diese Art und Weise bestohlen wurde. Das umgerechnet etwa 40€ in bar flöten gegangen sind, ist zwar ärgerlich, aber noch verkraftbar. Viel schlimmer ist, wie wir uns alle denken können, der Verlust der sich im Geldbeutel befindlichen Karten! Alle Kreditkarten weg (ich weiß, dass es unglaublich doof war, alle Kreditkarten in einem Geldbeutel und dabei zu haben :-/ ) und viel schlimmer: mein neu gemachter Thai Motorradführerschein! Naja, und wie das dann halt so ist, man hat ein Haufen Theater mit Kreditkarten sperren, neu beantragen, zur Polizei gehen und den Vorfall melden, zur Führerscheinstelle gehen und einen Ersatzführerschein beantragen…aber letztlich ist alles ersetzbar und verkraftbar. Und auch wenn der Abend dann natürlich für mich erstmal ruiniert war, so hat mich auch dieses Ereignis nicht wirklich in meinem Wohlbefinden hier in Chiang Mai beeinflusst.

Happy End

Im Gegenteil, beide Aktionen haben mir auf unglaublich wundervolle Weise gezeigt, welche großartige Community hier in Chiang Mai ist und wie hilfsbereit und mitfühlend die Menschen um mich rum sind. Nachdem ich den sexuellen Übergriff in einer der Facebook-Gruppen hier gepostet habe, hat sich gleich einer angeboten einen kostenlosen Selbstverteidigungskurs im Park durchzuführen, zu dem wir dann auch am nächsten Wochenende gleich sind. Jetzt soll bloß nochmal einer kommen und nach mir grapschen! 😉 Und nach dem Diebstahl haben mir innerhalb weniger Stunden glaube so um die 20 Leute angeboten, Geld zu leihen. Supernett! Teilweise Menschen, die ich grad mal ein paar Stunden oder Tage kannte. Es ist schön zu wissen, dass man nicht allein ist. Und dafür bin ich sehr dankbar.

Und trotz all der großen und kleineren (z.B. ständige Polizeikontrollen, ob man einen Führerschein hat) Herausforderungen bleibe ich dabei: ich liebe Chiang Mai, es ist gut zu mir und es geht mir hier einfach gut! 🙂

Jenny • 21. Februar 2017


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