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Negativ, sarkastisch, hoffnungsvoll. Geschichten von mir, meinen Reisen und meinem Weg in die Selbstständigkeit

Der Norden Marokkos…ich bin hin und weg

Marokko. Hört sich exotisch an, orientalisch, fremd. Umso gespannter war ich, was uns auf diesem 4 Tages-Trip erwartet. Und ich muß sagen, ich bin hin und weg! Zumindest vom Norden. Für mehr hat es nämlich leider aufgrund der Kürze der Zeit nicht gereicht. Aber ich komme wieder. Ganz bestimmt. Und dann steht der Rest des Landes auf dem Plan 😉
Was vielen sicher als erste Frage auf der Seele brennt (ok, ich spekuliere, aber ich kenn euch doch 😉 ) ist: Und wie hast du dich da als Frau gefühlt? So in “Muslim-Country”? Und ganz ehrlich: wunderbar. Ich wurde kein einziges Mal unangenehm angeklotzt oder dass man sich mir irgendwie komisch genähert hätte oder irgendwas anderes. So gar nicht. Da war Ägypten und die Türkei schon ne andere Nummer. Aber gut, vielleicht lags auch daran, dass ich mich den kulturellen Gepflogenheiten entsprechend gekleidet habe. Sprich, lange Hosen und Schultern bedeckt. Ganz easy. Und ja, hin und wieder habe ich mir meinen Schal auch mal so Kopftuch-mäßig locker um den Kopf geschlungen…aus Respekt. Nicht weil ich vorhabe zu konvertieren oder so. Und das Interessante daran war, dass ich mich damit fast noch etwas besser gefühlt habe. Irgendwie willkommener. Ich hatte den Eindruck, die Einheimischen haben sich richtig drüber gefreut, wenn ich meinen Schal auf dem Kopf hatte. Besonders die Frauen. Da gab es dann schon den ein oder anderen anerkennenden Blick oder ein freundliches Zunicken. Es ist so einfach sich als respektvoller Gast zu verhalten. Schade, dass viele Touristen dazu nicht in der Lage zu sein scheinen. Aber gut. Jeder wie er mag. Ich für mich auf jeden Fall würde das nächste Mal auch als Frau alleine nach Marokko reisen.

Aber kommen wir zu den Details unseres Kurztrips. Am Donnerstag, den 1. Oktober 2015 sind 3 Freunde aus Tarifa und ich zu unserem Abenteuer aufgebrochen. Mit der Fähre von Tarifa nach Tangier, über die Strasse von Gibraltar, 14 km, hin und zurück für 66 Euro. Vom Hafen mit dem Taxi zum Busbahnhof, wo wir direkt erstmal unsere Tickets für den Bus nach Chefchaouen gekauft haben (5 Euro pro Person). Danach gab es erstmal ein Frühstück im Cafe Mozart. Endlich die Speisekarte in französisch und nicht in spanisch (mein Französisch ist bekanntlich deutlich besser wie mein Spanisch 😉 ) und das allerbeste: günstige Preise! Haben wir es doch tatsächlich geschafft zu viert für insgesamt 9 Euro zu frühstücken 🙂
Wir (ich würde ja sagen, hauptsächlich ich) hatten uns ja im Vorfeld ein paar grobe mögliche Routen überlegt….Fez, Rabat oder eben auch Chefchaouen, welches uns mehrfach wärmestens empfohlen wurde. Und so wurde es dann eben Chefchaouen, allerdings ohne wirkliche Vorbereitung. Schon ziemlich amateurhaft eigentlich. Umso überaschter waren wir alle als der Bus mitten durch das bergige Hinterland fuhr. Aaaahhhh, ok, wir fahren offensichtlich in die Berge!
Schöne, beeindruckende Landschaft…die Fahrt schon das erste Erlebnis an sich.

Fahrt nach Chefchaouen

Fahrt nach Chefchaouen

Chefchaouen liegt auf ca. 600 Metern Höhe und wird auch die “blaue Stadt” genannt, da alle Häuser in der Altstadt (Medina) blau gestrichen sind.

Chefchaouen, die blaue Stadt

Chefchaouen, die blaue Stadt

In Chefchaouen angekommen haben wir unser Airbnb-Appartment Casa La Hiba bezogen. In der Medina und total typisch mit all den Kacheln und dem ganzen Mobiliar. Und einer Hammer-Dachterasse! Und direkt neben einer Moschee…ihr wisst was das für die bedeutet, die einen leichten Schlaf haben oder keine Ohrstöpsel benutzen 😉 Unser Gastgeber war auch super nett und hat jedem von uns zum Abschied sogar noch ein Chefchaouen-Souvenir geschenkt.
Nach einer kurzen Verschnaufpause sind wir dann auch schon los, einfach durch die Gassen der blauen Stadt zu schlendern und in das marokkanische Lebensgefühl einzutauchen. Ich hab mich auf Anhieb wohl gefühlt 🙂 Chefchaouen ist eine relativ kleine und ziemlich relaxte und gechillte Stadt. Man wird kaum bis gar nicht von irgendwelchen Touristenfängern angesprochen und kann den Tag echt in Ruhe genießen und einfach nur das Leben und die Katzen (die Stadt ist voll von freilaufenden Katzen, die sich auch im Restaurant direkt nach jedem Essen auf den Tisch mit den Resten stürzen) vor Ort beobachten und auf sich wirken lassen. Einer der Gründe dafür, dass Chefchaouen so gechillt ist, mag sicher der Cannabis-Anbau sein…aber dazu später mehr 😉
Nach unserem Spaziergang sind wir im Restaurant Sindibad eingekehrt und haben uns an das einheimische Essen gewagt. Sehr gut! Haben eine typisch marokkanische Suppe (Harira) gegessen sowie die Jungs jeweils eine Tajine. Alles war sehr lecker und ich hätte die Küche vor Ort nicht so lecker und geschmackvoll erwartet. Ich bin jetzt also offiziell ein Fan der marokkanischen Küche. Umso enttäuschender war das Abendessen im Restaurant Aladin, welches nur durchschnittlich war und der Service sogar unterirdisch. Aber das hab ich bei Tripadvisor schon vermerkt 😉
Nach einer Nacht, in der ich geschlafen haben wie ein Stein (sorry Jungs, dass ihr meinen Alarm ewig ertragen musstet) ging es zum Frühstück wieder ins Sindibad (never change a running system 😉 ). Eigentlich wollten wir uns für den Nachmittag einen Hammam-Besuch gönnen, aber die Suche nach dem Art-Du-Bien-Etre (fürs öffentliche Hammam hätte man angeblich alles (also Handtücher, Seife etc.) selbst mitbringen müssen), einem etwas gehobenerem Hammam war ziemlich erfolglos. Nicht das wir es nicht am Ende gefunden haben, aber leider war dort niemand anzutreffen.
Und so ging es für uns dann erstmal raus aus der Altstadt um auf der gegenüberliegenden Seite des Flusses den Berg zur spanischen Moschee zu besteigen und Chefchaouen fototechnisch mal in vollem Umfang erwischen zu können. Natürlich auch wieder in der prallsten Mittagshitze (deswegen auch der Turban auf meinem Kopf…ausnahmsweise reiner Sonnenschutz)…irgendwie lerne ich nicht dazu 😉
Der Aufstieg und die Aussicht haben sich in der Tat auch gelohnt und es ist schon beeindruckend wie diese Stadt in den Berghang reingebaut wurde.
Auf der Aussichtsplattform vor der spanischen Moschee haben wir dann auch unsere Berliner Freunde (die wir bereits in Tarifa sowie am Vortag in Chefchaouen getroffen haben) wieder getroffen. Und das hat dem Tag eine völlig unerwartete, aber äußerst interessante und lohnenswerte Wendung gegeben…
Was ich bis zu dem Zeitpunkt nicht wußte: Marokko ist das größte Cannabis Anbaugebiet der Welt. Und Chefchaouen ist ein nicht zu kleiner Teil davon. Anscheinend gedeiht Hanf besonders gut in diesem Klima…und oben in den Bergen sind die Plantagen natürlich auch schön vor allzu neugierigen Blicken geschützt. Immerhin ist Cannabis auch in Marokko illegal. Angeblich allerdings nur der Verkauf und nicht der Anbau oder die Produktion von Haschisch. Ihr ahnt schon, auf was es hinaus läuft…die beiden hatten einen “Guide” dabei, der ihnen die Hanfplantagen zeigen wollte und wir haben uns kurzerhand spontan angeschlossen. Ich mein, wann hat man dazu schonmal die Chance?!? Auf meine Frage, wie weit das denn wäre, meinte der Guide ganz optimistisch: 20 Minuten wenn wir langsam laufen. Soviel zur Theorie. In der Realität sind wir etwa eine Stunde gelaufen…bergauf, durch unwegsames Gelände irgendwo in Marokkos Norden, in der prallen Mittagshitze. Aber es hat sich sowas von gelohnt! Ich weiß jetzt mehr über Cannabis und Haschisch als ich jemals wissen wollte. Und ich kenne jetzt jeden Produktionsschritt der Haschisch-Produktion. Vom Anbau über die Trocknung und die Herstellung von Haschisch unterschiedlichster Qualität bis hin zu den besten Möglichkeiten Haschisch zu schmuggeln. Ich weiß jetzt Bescheid über die unterschiedlichen Cannabissorten und ihre Unterschiede in der Wirkung. Und ich saß vor einer Berghütte und habe quasi selbst Haschisch hergestellt. Eigentlich ein schlauer Schachzug von dem Guide, andere seine Arbeit machen zu lassen und sich dafür sogar noch bezahlen zu lassen (insgesamt hat uns die Tour 15 Euro gekostet) 😉
Wie ihr wißt, zähle ich persönlich nicht zu den Kiffern und deswegen fand ich eigentlich noch viel spannender, was wir in den ungefähr 4 Stunden darüber hinaus über das Land und die Kultur gelernt haben…und das ist das eigentlich Unbezahlbare an diesem Ausflug! Angefangen vom Schafezüchten als Kind über die 2 Frauen des Vaters und den Familienbetrieb in der Cannabis-Produktion (und das ist ein richtiges Business!) bis hin zur halbherzigen Frömmigkeit des Islam (“Nur Ramadan, sonst wird auch getrunken“).

Die Land(wirt)schaft Chefchaouens

Die Land(wirt)schaft Chefchaouens

Nach diesem äußerst anstrengenden Marsch hatten wir uns einen chilligen Abend durchaus verdient und so waren wir letztlich nur noch zweimal essen…einmal direkt nach unserer Rückkehr aus den Bergen in die Stadt und dann ein paar Stündchen später nochmal. Immer schön mit “moroccon tea”, also dem typischen Minze-Tee…hach, der fehlt mir jetzt schon.
Am nächsten Tag hieß es dann auch schon Abschied von Chefchaouen zu nehmen um den letzten Teil unseres Trips anzutreten: eine Nacht in Tanger (oder Tangier…wir haben bis jetzt noch nicht rausgefunden, wie es wirklich heißt). Nach einem letzten Frühstück am Marktplatz (Plaza Uta el-Hammam) ging es mit einem uralten (so etwa aus den Siebzigern) Mercedes, natürlich ohne Gurte, mega-klapprig und wacklig Richtung Tangier (15 Euro pro Person). Unser Fahrer war sehr bemüht Konversation zu machen und uns in einem wilden französisch-spanisch-englisch Mix die Geschichte der Taxis in Marokko näher zu bringen.

Leider waren wir auch auf Tangier völlig unvorbereitet, so dass wir irgendwo zwischen Busbahnhof und Medina rausgeschmissen wurden und erstmal Wifi suchen mussten um uns grob zu orientieren, wo eigentlich unser Hostel ist und wie wir dahin kommen. In einer Einkaufspassage fanden wir dann einen Pasta-Pizza-Imbiß mit Wifi und so gab es neben der Orientierung auch gleich noch einen (mittelmäßigen) Snack. Unser Hostel lag auch dieses Mal mitten in der Medina…also hieß es wieder durch schmale und unübersichtliche Gassen zu laufen und sich mitten ins marokkanische Chaos zu stürzen. Das „Medina Hostel“ ist noch ziemlich neu, was man dem Besitzer auch anmerkt. Aber immerhin hat es eine echt süße Dachterasse und trotz allem gab es am nächsten Morgen sogar extra Frühstück für uns.

Impressionen von Tangier

Impressionen von Tangier

Tangier ist bei weitem nicht so schön wie Chefchaouen und auch deutlich teurer. Wahrscheinlich wegen all den Tagestouristen aus Spanien. Die Medina macht auch um 22 Uhr komplett dicht. Aber trotzdem habe ich den Tag und unseren Spaziergang durch die Medina und Kasbah von Tangier genossen. Und nach 4 Wochen immer rüber nach Afrika schauen ist es doch auch mal was anderes rüber nach Europa zu schauen 😉

Blick von Tangier Richtung Europa

Blick von Tangier Richtung Europa

Wir haben sogar einen Algerier getroffen, der in Deutschland gelebt hat und relativ gut Deutsch spricht. Zur Feier des Tages hat er uns gleich mal auf einen Tee eingeladen. Das Abendessen hat sich dann schon deutlich schwieriger gestaltet. Verwöhnt durch die Preise in Chefchaouen war uns alles zu teuer und viel zu touristisch. Aber nach einer halben Stunde “Jagd” haben wir dann doch noch die günstigen Local-Places gefunden und eine Harira für 60 Cent gegessen sowie anschließend in einem Imbiss homemade Burger.
Nach einer etwas unruhigen Nacht (ja, ich werde langsam glaub echt zu alt für 4-Bett-Zimmer) ging es dann nach dem Frühstück auch schon wieder mit der Fähre zurück nach Tarifa. Für die Jungs noch für ein paar Wochen, für mich nur für ein paar Stunden bevor es für eine Nacht nach Malaga ging und dann weiter nach Singapur.
Nach dieser Erfahrung würde ich jedem Marokko wärmestens empfehlen…zumindest den Norden. Die Menschen sind freundlich, sprechen erstaunlich gut Englisch (deutlich mehr und besser als die Spanier), Essen und Getränke sind ziemlich günstig und man kann einfach mal in eine andere Welt abtauchen. Also ich für meinen Teil bin auf jeden Fall hin und weg.

Jenny • 9. Oktober 2015


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