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Negativ, sarkastisch, hoffnungsvoll. Geschichten von mir, meinen Reisen und meinem Weg in die Selbstständigkeit

Visa Run

Am Mittwoch hatte ich meinen ersten Visa Run. Für die unter euch, die nicht wissen was das ist, hier eine kurze Erklärung zum Thema Thailand & Visa:
Man kann sich nicht einfach so in Thailand für längere Zeit aufhalten. Als Tourist (wenn man über den Luftweg einreist) bekommt man ein Visa on Arrival für 30 Tage. Nach dieser Zeit muss man das Land verlassen. Tut man das nicht, ist es eigentlich auch nicht weiter schlimm, bis auf das man für jeden Tag „overstay“ bei der Ausreise kräftig in die Taschen langen muß. Reist man als Tourist über Land ein, bekommt nur ein 15 Tage Visum. Hat man sich in Deutschland ein 3 Monatsvisum besorgt, gilt das gleiche Spiel. Man kann als Tourist wieder auf dem Luftweg für ein 30 Tage Visum oder auf dem Landweg für ein 15 Tage Visum einreisen. Ein neues 3 Monatsvisum bekommt man nur, wenn das wieder ordentlich bei Botschaft oder Konsulat beantragt. 
Wenn man nun glaubt, das wenn man ein Jahres-Visum hat (so wie ich), man sich diese ganze Story sparen kann, dann hat mich sich getäuscht. Selbst mit diesem Visum muß man spätestens alle 3 Monate ausreisen und darf dann wieder einreisen (jetzt macht es auch Sinn warum es so wichtig war ein Jahres-Visum mit „multiple entry“ zu bekommen). Der Sinn des Ganzen? Keine Ahnung…ich vermute mal ABM…oder das Überleben eines ganzen Industriezweigs: Gesellschaften zur Organisation von Visa Runs (so wird diese Aktion der Ein- und Ausreise an einem Tag bezeichnet).
Das läuft hier in Khao Lak so ab: man ruft einen Anbieter von Visa Runs an (die meisten hier nehmen den Andaman Club, der zwar der teuerste ist, aber auch der komfortabelste) und sagt ihm das man für einen Visa Run (für sich selbst oder 2 oder 3 Personen) buchen will, nennt das Datum und die Location von der man abgeholt werden will. Der Inhalt des Gesprächs lautet dann in etwa wie folgt: „I like to book Visa Run on Wednesday 12th.“ – „12th?“ – „Yes, one two December.“ – „One person?“ – „No, 2 person“ – „Where?“ – „at Seven Eleven Bang Niang 6:50 am“ – „Ok, Seven Eleven Bang Niang on 12th two person. Call you one day before to confirm.“
Und so schnell und einfach ist das ganze organisiert 🙂

Von hier in Khao Lak ist das nächste, am schnellsten zu erreichen Land Myanmar. Nicht das man von dem Land was sehen würde während des Visa Runs, aber dazu später mehr. 
Man wird also morgens  um kurz vor 7 vor dem Seven Eleven (das ist übrigens eine Supermarkt-Kette) abgeholt. Pässe werden kurz gecheckt und das Geld für den Visa-Run kassiert…einschließlich der 10 Dollar „Eintritt“ für Myanmar oder auch mal 200 Baht mehr wenn man seine Departure-Card verloren hat (so wie ich zum Beispiel). Anschließend wird man von einem, für Thai-Verhältnisse typischen, Kamikaze-Fahrer etwa 3 Stunden gen Norden gekarrt nach Ranong.

Von Ranong sieht man auch nicht viel, ausser den Anadaman-Pier.

Der heisst so, weil man von hier aus mit der Fähre in den Andaman-Club auf einer kleinen Insel in Myanmar gebracht wird. Der Andaman-Club ist ein Hotel. Es wirkt ziemlich groß, aber ich habe dort keinen einzigen Gast gesehen und mir scheint der einzige Zweck dieses Hotels ist, den Visa Runnern während der einen Stunde Aufenthalt mit einem Mittagessen zu verköstigen und Duty Free Shopping möglich zu machen. Aber bevor man in den Genuß des Andaman-Clubs kommt, muss man erst durch die Ausreise in diesem Gebäude:

Pässe werden abgestempelt und schon man ist ausgereist und unterwegs in Richtung Myanmar mit der Fähre.

Nach etwa einer halben Stunde Fahrzeit mit der Fähre durch ziemlich verschmutztes Meerwasser…(total traurig viele leere Flaschen man dort schwimmen sieht) ist man auf der anderen Seite am anderen Andaman Pier:

Dort reist man dann sozusagen nach Myanmar ein, gibt seinen Pass ab und wird mit einem kleinen Bus auf den Berg zum Andaman Club Hotel gefahren. Da es hier entweder doch (westliche) Gäste gibt oder die Betreiber den (westlichen) Visa Runnern eine Freude machen wollen, wird man zu diser Jahreszeit schön weihnachtskitschig begrüsst:

Man wird dann recht zügig ins Victoria Cafe (ein im Hotel befindliches Restaurant) gelotst – schließlich hat man nur 50 Minuten Zeit bis man wieder zurück nach Thailand muß. In diesem Cafe/Restaurant gibt man seinen Essensgutschein ab und bekommt 3 Minuten später das Essen, welches man morgens im Minibus aus dem Menü ausgewählt hat, vorgesetzt. Es sind 3 Tische schön mit der Aufschrift „Andaman Visa“ reserviert und da sitzt man eben mit all den anderen, wildfremden Visa Runnern aus aller Herren Länder, wie z.B. den Philippinen, Brasilien, Dänemark, England usw. Immerhin kann man während des Essens den schönen Blick auf Myanmar (so nehme ich zumindest mal an) genießen:

 

Nach dem Essen hat man dann etwa noch ne halbe Stunde fürs Duty Free Shopping (oder die nebenan liegende Spielhalle…vielleicht ein weiterer Grund für die Existenz dieses äußerst merkwürdigen Hotels). Und wie fast überall auf der Welt kauft man im Duty Free Shop natürlich….Alkohol, Zigaretten und Schokolade 🙂
Dann geht es auch schon wieder zurück mit dem Bus zum Pier (Fahrtzeit höchstens 2 Minuten). Man bekommt seinen abgestempelten Paß zurück und ist auch schon wieder aus Myanmar ausgereist. Mit der Fähre zurück zum Andaman Pier auf der thailändischen Seite, ins Gebäude rein, Paß wieder abgestempelt und schon ist man wieder nach Thailand eingereist und darf weitere 3 Monate bleiben (obwohl man ja eigentlich ein Jahresvisum hat…). Dann gibt es noch ein Erfrischungsgetränk vom Visa Run Anbieter und schon sitzt man wieder im mörderischen Minibus auf dem Rückweg nach Khao Lak (oder weiter). Gegen 16 Uhr wird man dann vorm Seven Eleven wieder rausgeschmissen, ist knapp 2000 Baht ärmer aber hat einen druckfrischen Einreisestempel im Paß 🙂
Alles in allem eine sehr skurile Veranstaltung die man durchaus mal mitgemacht haben muß. Man kann das natürlich auch alles auf eigene Faust machen und mit dem Moped oder Auto selbst hochfahren und sich um alles kümmern. Aber knapp 200 km one way auf dem Roller und sich vorher einen druckfrischen, knitterfreien 10 Dollarschein besorgen weil in Myanmar nix anderes akzeptiert wird? Mmhhh…eher nein danke!

Jenny • 14. Dezember 2012


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